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"Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“

Friedrich Nietzsche

Interview

Was hat dich dazu inspiriert, Künstlerin zu werden, und wann hast du angefangen, dich ernsthaft mit Kunst zu beschäftigen?

Ich wuchs mit ostafrikanischen Holzfiguren auf einer Missionsstation in Tansania auf. Nach 6 Jahren Kindheit im „Busch“ war ich nur bereit gewesen, in der Schule in Karlsruhe auf einem Stuhl zu bleiben, wenn ich mich auf mein untergeschlagenes Bein setzte. Ich durfte die ersten Malkurse in der Kunsthalle bei Frau Dr. Anne Reuter-Rautenberg besuchen. Wir hatten eine alte Mappe mit Drucken von Bildern von Arnold Böcklin: „Der Zentrauer in der Hufschmiede“, eine im Wasser spielende Nereidenfamilie. Die Pestbilder von Veronese in der Scuola di San Rocco in Venedig beeindruckten mich tief. Da war ich 9 Jahre alt. Als mein Kunstlehrer, Richard Franz, in der 11. Klasse den Raum betrat, und sich auf sein Bein setzte, war mir klar, dass ich das studieren werde: Kunst.

Welche Künstler oder Kunstrichtungen haben deinen Stil und deine Werke am meisten beeinflusst?

Was Skulptur betrifft haben mich die antiken Skulpturen im Louvre umgehauen, dann die farbigen Kultfiguren in hindostanischen Tempeln, die ich mit 20 Jahren in Surinam sah. Ihr Lächeln. Der Apoll von Delphi, die Farbigkeit der antiken Figuren, die nach und nach entdeckt wurde. Ich liebe archäologische Stätten, die Spuren großer Kulturen: Anuradhapura, die Asparas von Ankor Wat, die schöne Verstorbene aus Palmyra im Liebieghaus Frankfurt, die goldgeschmückten Frauen der Fulani.

Ich studierte in den 80er Jahren mit Stephan Balkenhol bei Ulrich Rückriem in Hamburg, und wir beide fingen gleichzeitig an, figürlich zu arbeiten und das mache ich bis heute so.

Könntest du uns durch den kreativen Prozess führen, den du durchläufst, wenn du ein neues Werk schaffst?

Langweile, eine gewisser Freilauf im Kopf und dann taucht ein Einfall auf. Ich gehe schwanger damit. Im Halbschlaf schärft sich die Vorstellung. Ich suche nach geeignetem Material: ein geleimter Block ist da oder wird bestellt. Das Werkzeug ist scharf. Die Figur im Block ist ja da. Erst wenn ich sie sehe und spüre, kann ich sie nach und nach freilegen, wobei sie mir zeigt, wie sie sein will. Wenn mich nichts mehr stört, ist die Skulptur fertig. Dann wird sie angemalt. Und ich fange schon an, an der nächsten zu arbeiten – im Kopf.

Gibt es ein bestimmtes Thema oder eine Botschaft, die du in deinen Arbeiten vermitteln möchtest?

Die Holzköpfe haben eine Aufgabe: Sie laden zur Begegnung ein durch ihren Blick, der die/den Betrachter:in zum Gegenüber macht. Durch ihre Präsenz: im Hier und Jetzt.
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Was war bisher die größte Herausforderung auf deinem künstlerischen Weg, und wie bist du damit umgegangen?

210 cm Eiche, 50 cm Durchmesser, 1 Tonne schwer und 5 Tage zum Arbeiten auf Usedom 2025. Die Motorsäge ist geölt, die Eisen sind scharf: no risk no fun. Und so entstand die „Niloofar“, die jetzt auf dem Skulpturenweg am Strand von Zinnowitz ihren Platz gefunden hat. Aufregend ist das schon.

Gibt es Techniken und Materialien, die du bevorzugst?

Ja. Hartes, dichtes Holz ohne Astlöcher. Mit dem Stechbeitel langsam arbeiten, der erahnten Form folgend, sie spüren. Die Motorsäge geht blind hinein, das Stechbeitel folgt der Form. Deshalb nutze ich die Sägen nur für die ersten Schritte.
Gibt es einen bestimmten Ort wo du am liebsten
arbeitest? 
In der Werkstatt und in meinem Atelier im Garten,
in dem die Figuren ihre Farbe, ihr Gold bekommen.
Oder unter freiem Himmel, in den Bergen, am Meer.

Wo siehst du dich und deine Kunst in den nächsten fünf Jahren?

Meine Einfallskraft begleitet mich durchs Leben und ich fühle mich gesund und fit. Wenn meine Figuren ihre Gegenüber finden, macht mich das froh und ich bestelle neues Holz. Das Hauen, das schrittweise Freilegen einer neuen Figur erfüllt mich mit großem Glück – und ich hoffe, das kann ich noch viele Jahre genießen.

Hast du eine "Philosophie", die dich in deinem kreativen Ausdruck leitet?

Demut vor den großen Meister:innen, die vor mir waren.

Keine „Moden“ und „Stile“. Reisen, Hingucken und offen bleiben für Neues und Sachen machen, die ich noch nie gemacht habe und die mich fordern.

Welchen Rat würdest du anderen jungen Künstlern geben, die am Anfang ihres Weges stehen?

Wenn ich Adorno richtig im Kopf habe, sagt er: Kunst bezieht sich immer auf Kunst. Also: Folge deiner Neugier und sieh dich satt an dem, was Künstler:innen vor dir gemacht haben und in der Gegenwart machen. Schau dir die großen Sammlungen, Museen, Ausgrabungen in der Welt an, besuche Galerien, sei unterwegs, mach‘ Augen und Ohren auf und hab‘ immer ein Notizbuch dabei, in das du zeichnest. Sei fleißig. Von nix kommt nix.

Ulrich Rückriem sagte uns: Ihr müsst erst mal 10 Jahre im Dunkeln arbeiten, und dann mal schauen, was mit Ausstellungen etc. so möglich ist.

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