Interview
Was hat dich dazu inspiriert, Künstlerin zu werden, und wann hast du angefangen, dich ernsthaft mit Kunst zu beschäftigen?
Der letzte Schritt, mich als Künstlerin zu bezeichnen, kam erst relativ spät. Zeichnen mochte ich schon immer gerne, aber Kunst wollte ich nicht studieren und so habe ich mich zunächst einem geisteswissenschaftlichen Studium zugewandt; die Kunst aber nie aus den Augen verloren. Nach dem Magister (Deutsche Literaturwissenschaft und Vergleichende Religionswissenschaft) kam ich durch Zufall an einen Job als Kalligraphin für eine Event-Agentur in Berlin und habe dort viele Jahre gearbeitet. Nach dem Umzug nach Köln und der Geburt von Zwillingen ging es erstmal im Eventbereich mit der Kalligraphie weiter. Irgendwann genügte mir das nicht mehr und ich begann, mich ernsthaft mit meiner Kunst auseinanderzusetzen.
Die Schriftkunst habe ich „mitgenommen“, freier interpretiert und ausgelebt. Ich wollte Gedichte, Aphorismen und auch Songlyrics ein „Schriftbild“ geben.
Dazu kam die Entdeckung der von Wachskunst (Enkaustik) und so kam eines zum anderen. Weil ich nie „nur eine Sache“ machen kann, habe ich mich parallel intensiv in die Photoencaustic eingearbeitet, mit Tusche, handgeschöpften Papieren und auch mit der Schriftkunst kombiniert. So kommt es zu der Zweigleisigkeit von Schriftkunst & Mixed Media Art.
Welche Künstler oder Kunstrichtungen haben deinen Stil und deine Werke am meisten beeinflusst?
Die drei wichtigsten Künstler sind für mich Horst Janssen, Gustav Klimt und Joaquín Sorolla. Janssen´s zeichnerischer Stil in Kombination mit Schrift im Bild hat mich schon früh begeistert. Seine Tuschearbeiten sind für mich sehr besonders. Bei Klimt inspiriert mich ebenfalls, wie er Schrift mit Motiven verbindet ebenso seine grenzenlose Kreativität. Sorolla begeistert mich durch seine faszinierende Darstellungskunst, Licht und Schatten in Szene zu setzen. Dazu beeindruckt mich sein humanistischer Blick auf Menschen und Szenen im Alltagsleben.
Könntest du uns durch den kreativen Prozess führen, den du durchläufst, wenn du ein neues Werk schaffst?
Ich sammele Ideen auf Papieren, in Heften oder auf dem Handy. Dann „arbeitet“ mein Kopf ein paar Tage, bei Kalligraphien/Typoarbeiten schreibe ich oft skizzenhaft vor, um die Platzverhältnisse einschätzen zu können. Dann werden entweder handgeschöpfte Papiere präpariert, collagiert, geleimt oder direkt mit Tusche, Gouache und Polychromosstiften losgelegt.
Wenn es um Photoencaustic geht, sammele ich alte Photos oder schaue in meinem selbst fotographierten Fundus nach und bearbeite die Vorlage meistens digital, um sie dann auf Sekishupapier (japanisches Papier) auszudrucken und mit Tusche weiterzubearbeiten.
Untergrund ist immer Holz, denn die Bearbeitung mit Wachs braucht eine stabile Unterlage, da ich das Wachs zunächst zwar nur aufstreiche, dann aber mit einer gewissen Kraft in das Bild „einbrenne“ („Enkaustik“ = „Wachs einbrennen“). Das geschieht mit einer Art Bügeleisen oder Bunsenbrenner.
Durch das meist durchsichtige Wachs entsteht eine wunderbare Lichtbrechung, je mehr Schichten ich auftrage, umso milchig – diffuser wird der Effekt, aber auch um so dreidimensionaler kann das Motiv wirken – je nach Bedarf. So können beispielsweise auch Strukturen und Einritzungen vorgenommen werden. Oder eine geheimnisvolle Unschärfe schafft eine gewisse Distanz.
Gibt es ein bestimmtes Thema oder eine Botschaft, die du in deinen Arbeiten vermitteln möchtest?
Eigentlich möchte ich nur, dass sich die Betrachter angesprochen fühlen – ganz nach Oscar Wilde „Ziel der Kunst ist, einfach eine Stimmung zu erzeugen.“ Klingt einfacher als es ist. Was daraus erwächst, bleibt damit offen und frei.

Was war bisher die größte Herausforderung auf deinem künstlerischen Weg, und wie bist du damit umgegangen?
Mich als Künstlerin zu benennen und es zu aus-zu-leben. Es hat gebraucht, ist nicht immer leicht und von Zweifeln begleitet, aber es ist der richtige Weg.
Gibt es Techniken und Materialien, die du bevorzugst?
Tusche, Gouache, Wachs, Holz
Gibt es einen bestimmten Ort, an dem du am liebsten arbeitest?
Am liebsten arbeite ich in meinem Atelier oder in Spanien draußen vorm Haus…
Wo siehst du dich und deine Kunst in den nächsten fünf Jahren?
Weiter auf dem Weg sein, immer Neues dazu lernend und am Ball bleibend.
Welchen Rat würdest du anderen jungen Künstlern geben, die am Anfang ihres Weges stehen?
Wenn es finanziell möglich ist, es zu wagen, sich nicht beirren lassen und an sich glauben – trotzdem auch immer ein bisschen demütig bleiben.
"Schicht um Schicht entstehen meine Bilder, sie erzählen Geschichten über Situationen, Orte, Musik oder Gedichte und wecken dabei emotionale Erinnerungen auf verschiedenen Ebenen: ein bestimmtes Lied, ein Kindheitserlebnis oder einen Sehnsuchtsort. Mal ist es die Melodie, mal der Text, mal sind es die Farben, mal ein Foto. Die Schriftästhetik der Kalligraphie oder gedruckter Buchstaben spielt dabei genauso eine wichtige Rolle, wie ein Foto, antiquarisch gesammelt oder selbst fotographiert/digital weiterbearbeitet oder ganz direkt die Tuschmalerei.
Gerade in der Kombination mit dem Medium des flüssigen, meist transparenten Wachs wird die künstlerische Darstellungsform besonders gut aufgegriffen: es wird in vielen Lagen übereinandergeschichtet, verflüssigt und eingebrannt - es verfließen die Ebenen ineinander, verbinden sich und erzeugen so eine gewisse Tiefenwirkung. Das gewollte Spiel mit einer partiellen Unschärfe verstärkt den Eindruck, gleichzeitig erzeugt die wächserne Oberfläche - aber auch eine gewisse Distanz".
Agnete Sabbagh





















